Magnified Eye

Earthbend

Berlin, Octopussy, 01.11.2004

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 01.11.2004

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen

Peter Tenzler


Berlin, Octopussy, 01.11.2004

Mal wieder eine Veranstaltung von B.E.A.P., diesmal im kuscheligen Friedrichshainer Octopussy. Anfänglich verloren sich zwar noch recht wenige Leute dort an diesem Montagabend, aber in Berlin dauert bekanntlich vieles immer ein bißchen länger bzw. der zeitliche Ablauf darf getrost immer ein Stückchen nach hinten verlagert werden.

Earthbend Den Anfang machten die Jungs von EARTHBEND aus Finsterwalde mit einem leicht stonerinfizierten Alternative-Rock. Irgendwie kamen einem dabei die QUEENS OF THE STONEAGE in den Sinn, die ja auch alles andere als traditionellen Stonerrock spielen, aber leider doch eher die etwas chaotisch-brachialen Songs von Nick Oliveri. Will sagen, für mich wirkte das etwas ungehobelt (vielleicht Absicht), dabei aber recht gleichförmig und noch nicht richtig ausgereift. Außerdem: Finsterwalde gilt ja gemeinhin als Sängerstadt, aber die Vocals von Gitarrist Andre Kunze sind doch eher ein Schwachpunkt (zumal sie auch ziemlich im Soundgemisch untergingen).
Recht eigenartig auch die Perfomance von Gastsänger Walli, der zwei Songs am Mikro war und durch eine, nun ja, sehr gewöhnungsbedürftige Choreographie und Motorik auffiel. Sportliche Höchstnote dafür gebiert dem Schlagzeuger Tilo Hustan, der sich richtig schön verausgabt hat. Nach einer guten halben Stunde hatten sie dann fertig, ohne mich so richtig zu überzeugen.

Magnified Eye Endlich standen dann aber die Headliner des Abends - tja, auf der Bühne wäre etwas falsch ausgedrückt beim Octopussy, also sagen wir mal im Raum. Die Band aus Arhus, Dänemark mit der Kraft der zwei Torbens (Torben Egebjerg an Gitarre und Gesang und Torben Ravn am Bass) sowie Gründungsmitglied Klaus Riis an der zweiten Gitarre und den Backingvocals und dem norwegischen Drummertier Frode Bjerkely legte gleich gewaltig los mit dem Bandklassiker Fuel To The Fire und Trail Blazer, letzteres erhältich auf der Compilation "Burn the street" bei Daredevil Records.
Stilistisch ganz eindeutig dem Stonerlager zuzordnen, bevorzugen die Skandinavier die durchaus härtere Variante im Stile von EL CACO, PAWNSHOP oder DOZER, wobei auch Spurenelemente von KYUSS (natürlich!), ONLY LIVING WITNESS oder sogar TOOL zu erkennen sind. Es gibt einige Songs der neuen CD "Transition" zu hören, die hoffentlich auch bald hier erhältlich ist, wie das Titelstück Transition, das geradezu progressive Jezebel oder Religions children.

Magnified Eye Torben (der mit der Gitarre), der hervorragend deutsch spricht und daher auch für die Ansagen zuständig ist, kündigt dann auch mal einen Song an, der eher mellow, also eher was für die Mädels und dann gibt es Keep Distance vom "The Last Sun" Album. Vom gleichen Release ist Secret Mountain, das gleich wieder hitzigere Atmosphäre im mittlerweile ganz ordentlich besuchten Octopussy sorgt (auch wenn sich einige wieder in den Tresenbereich zwecks flüssigem Nachschub begeben).

Magnified Eye Ein erster Höhepunkt ist dann das Stoner-Monster-Epos Zero Gravity, schon auf CD über neun Minuten lang und live noch mit entsprechenden Saitenausflügen ausgebaut. A propos live: man merkt der Band in jedem Augenblick die Spielfreude und den Spaß an, ihre Musik vor Publikum präsentieren zu dürfen. Egal, ob da nun viele oder eher wenige Leute sind (Stonerrock ist ja ohnehin nicht mehr unbedingt Musik für Millionen), man spielt sich regelrecht den A... ab und entfaltet dabei die bandeigenen Qualitäten die da heißen Homogenität, Enthusiasmus und Leidenschaft für druckvolle, gitarrenorientierte Musik mit gelegentlicher Lust am Jammen.
Richtig klasse rüber kommen auch das ältere Stück Marooned oder On The Edge Of A Stone, wiederum vom "The Last Sun"-Album. Irgendwie erinnert Torben (wieder der mit der Gitarre, Bass-Torben entspricht optisch eher dem langhaarig-bärtigen Stonerklischee) im Aussehen auch ein bißchen an Josh Homme, auch wenn er dunkle Haare hat, aber die Frisur und die Haltung...dazu hat er aber durchaus den Schalk im Nacken und erweist sich als nicht nur stimmgewaltiger, sondern auch sehr sympatischer Frontmann.

Magnified Eye Nach gut anderthalb Stunden Vollbedienung gibt es nach nur kurzem Zögern der Band noch einen Zugabenteil der mit dem neuen The Fat Lady Still Sings eröffnet und dem grandiosen, leicht psychedelischen Alcoholic Haze abgeschlossen wird. Zwar erfinden die Jungs von MAGNIFIED EYE mit ihrer Musik sicherlich nicht das Rad neu, aber sie schaffen es, den Funken überspringen zu lassen und das Publikum teilhaben zu lassen an ihrem handgemachten, druckvollen, bodenständigen, energetischen Stonerrock. Genauso so muss eine solche Musik live klingen. Und irgendwie scheinen solche Pflanzen in Skandinavien eben besonders gut zu gedeihen.

Ralf Stierlen, 03.11.2004

 

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