The Nervous Return

Dresden, Titty Twister, 09.01.2004


Konzertbericht

Reviewdatum: 09.01.2004

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Dresden, Titty Twister, 09.01.2004

Irgendwie gefällt mir das Titty Twister von Mal zu Mal besser. Innen drin ohnehin recht gelungen, als Azteken-Spelunke ist es angenehm, wenn man inzwischen weiß wo es ist (im Ernst Jungs und Mädels: Stellt mal irgenwo nen Wegweiser hin) und jetzt hat auch noch die Kneipe "Backstage" nebenan geöffnet, so dass man auch dort eventuelle Wartezeiten überbrücken kann. Die Atmosphäre ist angenehm familiär, die Musiker können sich, so sie wollen, auch unters Volk mischen.
So geschehen diesmal bei der Support Band mit Namen GERHARD SCHINDLER'S ROADSHOW. Ehrlich gesagt, noch nie was von denen gehört oder gelesen (findet sich auch so leicht nix), wahrscheinlich local heroes. Sind eher etwas, sagen wir, nicht mehr ganz junge Hüpfer, die Rockmusik der älteren Bauart mit leichten Blues-, Rockabilly- und auch mal Southern-Einschlägen spielen. Zum Teil wird auch gecovert (MOTÖRHEAD's Bomber muß dran glauben), alles in allem ganz ok, aber der Sänger ist, ungeachtet einer gewissen charismatischen Ausstrahlung, nicht so ganz treffsicher bei den zu singenden Tönen, insbesondere wenn es in etwas höhere Gefilde geht. Alles in allem eher unter der Rubrik "schnell vergessen".

The Nervous return

Ganz anders dagegen THE NERVOUS RETURN, die mit dem Opener ihres Debüts "Headshots" gleich richtig nachdrücklich loslegen. Der Sound ist angemessen kraftvoll und doch von der nötigen Transparenz, der Mann am Mischer macht einen guten Job.
Die Band aus Los Angeles bietet auch was fürs Auge: Seit AT-THE-DRIVE-IN hat man keinen so schönen Afro mehr gesehen wie bei Drummer Greg Gordon. Die ungeheuer clevere Mischung aus Postpunk mit Schnmackes und Melodie, bei der gewitzter Indierock mit einer Prise Emocore und sogar Rockabilly zusammentrifft, zündet auf der Bühne noch direkter als beim ohnehin schon gelungenen Album (siehe unser Review).
Der Gesang von Frontmann Jason Muller erinnert angenehm an Elvis Costello, die griffige Hookline von Murder weapon, Dramahead oder A killa setzen sich anschmiegsam im Ohr fest, ohne plakativ aufdringlich zu wirken. Radiate kommt deutlich härter als auf der CD und das leichte, Reggae-luftige It's not enough ist ein erster stimmungsmäßiger Höhepunkt. Auch Destroy the rocker und Ooohh!! zeigen das kompositorische Talent von Muller, abseits des Mainstreams gute Melodien in griffige rhythmische Formen zu passen.

The Nervous return

Der Band, die an diesem Abend erst ihren zweiten Auftritt überhaupt in Deutschland hat, merkt man an, wie sehr es ihnen Spaß bereitet, ihr Material vor Publikum zu präsentieren, insbesondere da dieses Publikum sich immer bereitwilliger mitreißen läßt und vor der Bühne eine regelrechte Tanzfläche entsteht. Die Kommunikation von Jason Muller mit dem Publikum klappt auch zusehends besser ("Thank you to the first band...what's their name?") und nachdem Life of uncertainty mit einer Jacko-Tanzeinlage versehen wird, muß die Band auf bereits gespieltes Material zurückgreifen, da das Repertoire durch ist, aber das Publikum immer noch nach mehr verlangt.

The Nervous return

Eine wirklich tolle Band, von der man sicherlich noch einiges hören wird, zumal sie jetzt BLINK 182 auf deren ausgedehnter Europatour supporten werden.
Vielen Dank auch nochmals Torsten und Leo von Amadis für die Unterstützung vor Ort.

Ralf Stierlen, 23.01.2004

 

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