Runrig

Düsseldorf, Philipshalle, 20.04.2005

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Konzertbericht

Reviewdatum: 20.04.2005

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Düsseldorf, Philipshalle, 20.04.2005

Nachdem im Vorjahr ein Livemitschnitt (CD & DVD) mit dem "neuen" Sänger Bruce Guthro veröffentlicht wurde, kam jetzt also eine, ich-weiß-nicht-wievielte Collection der Schotten auf den Markt ("30 Year Journey - The Best").
Machte es Sinn, sich die neuen RUNRIG auch aus der Konserve "livehaftig" erscheinen lassen zu können, da schließlich mit Keyboarder Brian Hurren seit "Proterra" ein weiteres neues Mitglied dabei war, welches besonders live auch aufgrund hervorragender Vocals Akzente zu setzen weiß, so wirkt die neue "Collection" eher wie ein Füller, wo es doch vielmehr Sinn gemacht hätte, Songs aus Donnie Munro's Zeiten neu einzuspielen. Wer die Band auf ihren zurückliegenden Touren, spätestens seit "Proterra"-Zeiten, live erleben durfte, wird mir vielleicht zustimmen, daß es die womöglich besten RUNRIG aller Zeiten sind.

Als man 1997 Donnie Munro verabschiedete, stand man vor der großen Frage des "Was nun?". Obwohl ich die Band als musikalisch festgefahren empfand und mir Mr. Munro trotz seiner unvergleichlichen Stimme fast schon als ein Hemmnis erschien, konnte ich an eine erfolgreiche Weiterentwicklung mit neuem Frontmann, sprich frischem Blut, nicht so recht glauben. Zwar hatten die Alben "Amazing Things" (1993) und besonders "Mara" (1995) noch ihre Höhepunkte, von durchgehend starken Longplayern zu sprechen, wäre allerdings übertrieben gewesen. Zudem bewegte sich der ausscheidende Sänger zuletzt derart stark im Vordergrund, daß man trotz all seiner unbestrittenen Qualitäten Parallelen zu divenhaftem Verhalten nicht ableugnen konnte. Musikalisch bewegten sich RUNRIG in Richtung Sackgasse, ihre Karriere schien am Scheideweg angelangt zu sein.

Im Herbst 1998 hatte ich dann erstmals Gelegenheit, die Schotten mit ihrem neuen Sänger Bruce Guthro erleben zu dürfen. Den Ort des Geschehens bildete die Bonner Biskuithalle und ich erlebte wohl eines der bewegendsten Konzerte in über 25 Jahren Besuchen von (Rock-)Musikveranstaltungen. Standen anfangs die verbliebenen fünf Bandmitglieder alleine auf der Bühne und begannen mit dem Set, erschien Guthro dann einige Zeit später und das Publikum nahm ihn überwältigend auf.
Das Album "In Search Of Angels" (Frühjahr 1999) hatte trotz unbestritten großer Momente wie Maymorning sowie den von Bassist Rory Macdonald gesungenen Da Mhile Bliadhna und A Dh'Innse Na Firinn bei weitem nicht die erhoffte Steigerung gebracht. Songs wie Big Sky oder Life Is zeigten einen Bruce Guthro in höchst durchschnittlicher, wenn nicht gar langweilender Verfassung. Zudem stimmte es zumindest Nicht-Insider nachdenklich, daß Drummer Iain Bayne und Keyboarder Peter Wishart als Musiker im Booklet nicht aufgeführt wurden, wenngleich sie auf dem Bandfoto noch dabei waren.
Die folgende Tour, auf der Bayne und Wishart im Line-Up vorzufinden waren, besuchte ich im Frühjahr '99 in der Düsseldorfer Philipshalle und erlebte eine eher zwiespältige Veranstaltung. Nachdem die anfängliche Euphorie verflogen war und man die Songs des aktuellen Albums präsentieren mußte, zeigte sich schnell, daß diese nicht recht zünden wollten. This Is Not A Love Song, gar nicht mal schlecht von Bruce Guthro präsentiert, schien eher zu langweilen denn neue Seiten in ihrem Klassikerkatalog zu füllen.
Die Weihnachtstour des gleichen Jahres, erlebt im proppevollen Kölner E-Werk, zeigte RUNRIG befreit von dem Druck, ein wahrscheinlich nicht sonderlich geliebtes Album promoten zu müssen und die Band präsentierte sich von ihrer besten Seite. Zudem machte es den Eindruck, als hätte sich Guthro besser im Bandgefüge eingefügt, so daß man ein stärkeres zweites Album mit ihm erwarten durfte.

Und genau dieses trat im Sommer 2001 ein - "The Stamping Ground" zeigte RUNRIG von einer veränderten Seite. Die Band präsentierte sich folkig, teils countrymäßig, ließ bei Running To The Light einen gewissen Paul Monsey ein modernes Arrangement (welches aufgrund seiner Rhythmusgeschichte nicht überall auf Wohlgefallen stieß) anfertigen, glänzte mit starken Melodien, vergaß jedoch nie seine Wurzeln und überzeugte als kompakte Einheit. Bayne und Wishart waren wieder im Booklet als Musiker verzeichnet und Bruce Guthro lieferte gemeinsam mit Gitarrist Malcolm Jones einen absoluten Übersong ab, die Ballade One Thing.
Die Gebrüder Macdonald hatten zwar wie gewohnt den absoluten Löwenanteil am Songwriting, jedoch konnte auch Jones ein weiteres Mal mit dem rockigen Instrumental The Engine glänzen.
"The Stamping Ground" glänzte durch die Bank mit hochklassigen Songs, der Titelsong hat sicherlich Klassikerqualitäten, was jedoch den Rest nicht schmälern soll. RUNRIG präsentierten sich auf diesem Longplayer als kompakte Einheit und auch der "neue" Sänger schien integriert. Das Album stellte für mich ihr bis dato bestes Werk dar, man hatte ein vom ersten bis zum letzten Ton überzeugendes Album ohne Schwachstellen veröffentlicht.

Leider schaffte ich es aus verschiedenen Gründen nicht zu einem der folgenden Konzerte, bis ich zwei Jahre später "Proterra" in den Händen hielt. "RUNRIG WITH PAUL MONSEY" auf dem Cover prangend, sollte sich akustisch auswirken. Das Album klang sehr modern, man hatte allerdings auch hier wiederum hervorragendes Songmaterial am Start. Es schien, als wäre mit Beginn von "The Stamping Ground" neues Leben ins Songwriting geflossen und die Band quasi neu auferstanden. Das eher ruhig gehaltene Werk wirkt auch runde zwei Jahre nach seinem Erscheinen wie aus einem Guß und ich könnte mir vorstellen, daß es die Musik zu einem überlangen Videoclip darstellen würde. Die vergleichsweise rockigen Day Of Days und Empty Glens, das epische From The North oder die wunderbare Ballade All The Miles sollen als Anspieltips dienen, im Grunde tut man allerdings dem restlichen Material unrecht, da es wie auch schon bei "The Stamping Ground" vollständig zu überzeugen weiß. Kein "Stamping Ground Pt. II", jedoch ein weiteres Album voller Klasse, was mich zu der Feststellung komme ließ, es hier mit den beiden reifsten und stärksten RUNRIG-Alben zu tun zu haben.

Die Zusammenarbeit mit Paul Monsey (Keyboards, Programming) hat RUNRIG einen weiteren, von durchschlagendem Erfolg gekrönten, Schritt vorangebracht und besonders live zeigte man sich durch das neue Mitglied Brian Hurren (Keyboards, Piano, Vocals) glänzend verstärkt. Im Herbst 2003 (Palladium, Köln) sorgte sicherlich nicht nur bei mir die Version von All The Miles mit ihm als zusätzlichen Sänger für Gänsehautfeeling. Mit Guthro, Rory Macdonald und Hurren verfügen RUNRIG alleine im Vocalbereich mittlerweile über ein ungeheures Potential und man ist gespannt auf das nächste Studioalbum mit neuem Material.
Die Bühnenperformance der Schotten während der Präsentation auf der "Proterra"-Tour 2003 ließ mich die Zeiten der Donnie Munro-Ära endgültig vergessen und so begab ich mich also voller Vorfreude mit meiner Frau am 20.04.2005 nach Düsseldorf zur dortigen Philipshalle...

... die bereits einige Zeit vor Konzertbeginn komplett zugeparkt war. Das Konzert schien ausverkauft zu sein, denn an den Kassen herrschte gähnende Leere, während man sogar ausnahmsweise am Straßenrand parken durfte. Da hat man das Drumherum fein ausgebaut, die Hütte ist voll und dann wird es ein wahres Problem einen Parkplatz zu finden. Glücklicherweise fand sich in einiger Entfernung noch eine Tiefgarage, so daß wir sogar noch etwas vom Vorturner mitbekamen. Singer/Songwriter aus Kalifornien, mir namentlich nicht bekannt. Ohne als Ignorant durchzugehen, deswegen war ich eh nicht da, zudem die "Special Guests" bei RUNRIG mich eigentlich nie sonderlich ansprechen.

Die Bude war proppevoll, vor der Bühne eine Reihe von wehenden Fahnen im Publikum, das mit dem Erlöschen des Hallenlichtes mit dazu beitragen sollte einen stimmungsvollen Abend zu verbringen. Unter dem Albummotto "30 Year Journey - The Best" bot die Show vor allem die Bestätigung zu meinen bereits erwähnten Eindrücken. Der Schwerpunkt lag eindeutig auf den letzten drei Alben, sprich jenen mit Bruce Guthro. Und das vielleicht zu Recht, denn auch wenn man sich gewiß, wie immer, über die Songauswahl streiten mag, der Mann hat RUNRIG zu einer neuen Stärke verholfen. Es scheint, als wären die Schotten wiedererstarkt, nach längerer Lethargie auferstanden, zusätzlich verstärkt durch den Keyboarder/Sänger Brian Hurren, welcher einen den eher blassen Peter Wishart vergessen ließ.
Die Band wirkt mittlerweile dermaßen spielfreudig und kompakt, daß ein Konzert zu einem Großereignis wird, wobei es nahezu egal ist, aus welchen Tracks die Setlist besteht. Bassist/Sänger Rory Macdonald wirkt sicherlich immer noch wie der Kopf der Band (der Mann hält mit Leichtigkeit die Fäden in der Hand, ohne sich jemals vorzudrängen), doch hier regiert das Miteinander und es ist eine wahre Freude, ihn mit Guthro über die Bühne springen zu sehen. Eben das ist es, da stehen nicht nur sechs Gestalten wie die Ölgötzen herum, sondern es ist richtig Leben auf der Bühne. Und viel Abwechslung. Klar spielt man wieder einen Akustikteil, aber dieser ändert sich eben von Tour zu Tour, und klar wird wieder kräftig getrommelt bei Pride Of The Summer, jedoch wirkt das in keinem Moment routiniert oder eingerostet. Im Gegenteil, man hat sich eher vom Schmalz vergangener Tage gelöst und wirkt erdig und lebhaftiger.
["lebhaftiger"? Hihi, wie putzelig. Red.]

Angefangen mit dem Titelsong vom letzten (Über-)Album "Proterra", über The Ship, zu Big Sky (selbst das kam diesmal erfreulich lebendig herüber) zeigte sich, daß sowohl Band als auch das überragende Düsseldorfer Publikum dem neuen Material livehaftig viel abgewinnen konnten.
Mit der Zeitreise durch die vergangenen dreißig Jahre hielt man sich auffallend zurück. Klar durften einige Klassiker wie Skye oder Protect And Survive nicht fehlen, jedoch standen denen mittlerweile neuere Songs wie From The North oder Maymorning in puncto Resonanzen kaum nach. Oder wie ist es zu deuten, daß während der kurzen Pause zur Zugabe das Publikum in bester "Quo-Manier" Maymorning anstimmt?
Mir fehlten Reißer im Stil von Dance Called America oder Rocket To The Moon, jedoch konnte auch das ruhigere Material mehr als überzeugen. Und genau das ist es, was ein RUNRIG-Konzert zu einem Ereignis werden läßt. Man ist überhaupt nicht auf ein paar Hits angewiesen, sondern schöpft aus einem riesigen Reservoir, dessen Auszüge zudem auch meist noch von Tour zu Tour neu arrangiert präsentiert werden. Und das vielleicht sogar noch immer besser werdend. Wer da meint Hearts Of Golden Glory doch schon bis zum Erbrechen gehört zu haben, dem sei entgegnet, daß es doch immer wieder einige Minuten der Gänsehaut-Atmosphäre sind, wenn Band und Publikum zu verschmelzen scheinen.

Brian Hurren scheint sich neben den beiden Frontmännern Bruce Guthro und Rory Macdonald immer mehr zu einem weiteren wichtigen Eckpfeiler der Schotten zu entwickeln. Das von ihm im ersten Zugabenteil vorgetragene Lied erntete einen riesigen Beifallsturm und läßt hoffentlich keinen Neid aufkommen, denn erst die Abwechslung macht RUNRIG mittlerweile nahezu vollkommen. Und genau das scheint auch das Publikum zu empfinden und in eine selten erlebte Stimmung umzusetzen, denn die Highländer spielen nicht jeden Tag nach Loch Lomond eine weitere Zugabe.
Iain Bayne's Äußerung zum Schluß (auf deutsch), man würde gerne in Düsseldorf wohnen, war mit Sicherheit nicht nur zwecks Einschmeichelns daher gesagt. Shows von RUNRIG in der Landeshauptstadt von NRW haben wirklich etwas Besonderes an sich.
"Nur lieber Iain, schau mal auf die Pkw-Kennzeichen, die Leute sind von weit her angereist. Und werden es bestimmt wieder tun, denn Eure Shows sind immer wieder ein - zu noch erträglichen Eintritts- bei ebenso gemäßigten Merchandise-Preisen - absoluter Hochgenuß.
Bis zum nächsten Mal! Und bitte endlich wieder Flower Of The West spielen!!"

Jürgen Ruland, 27.04.2005

 

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