ELP

Trilogy - Deluxe Edition


CD & DVD-Review

Reviewdatum: 15.05.2015
Jahr: 2015
Stil: Progressive Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


ELP
Trilogy - Deluxe Edition, Sony Music, 2015
Keith EmersonHammond Orgel, Piano, Moog Synthesizer, Mini Moog & Zourka
Greg LakeGesang, Bass & Gitarre
Carl PalmerSchlagzeug & Percussion
Produziert von: Greg Lake Länge: ca. 178 Min 00 Sek Medium: CD & DVD
Disc 1: Original Trilogy
01. The Endless Enigma (Part One)06. Hoedown
02. Fugue07. Trilogy
03. The Endless Enigma (Part Two)08. Living Sun
04. From The Beginning09. Abaddon's Bolero
05. The Sheriff
Disc 2: New Stereo Trilogy
01. From The Beginning (Alternate Version)06. The Sheriff (New Stereo Mix)
02. The Endless Enigma (Part One) (New Stereo Mix)07. Hoedown
03. Fugue (New Stereo Mix)08. Trilogy (New Stereo Mix)
04. The Endless Enigma (Part Two) (New Stereo Mix)09. Living Sun (New Stereo Mix)
05. From The Beginning (New Stereo Mix)10. Abaddon's Bolero (New Stereo Mix)
Disc 3: DVDA 5.1 Trilogy
01. The Endless Enigma (Part One)11. Fugue (New Stereo Mix)
02. Fugue12. The Endless Enigma (Part Two) (New Stereo Mix)
03. The Endless Enigma (Part Two)13. From The Beginning (New Stereo Mix)
04. From The Beginning14. The Sheriff (New Stereo Mix)
05. The Sheriff15. Hoedown
06. Hoedown16. Trilogy (New Stereo Mix)
07. Trilogy17. Living Sun (New Stereo Mix)
08. Living Sun18. Abaddon's Bolero (New Stereo Mix)
09. Abaddon's Bolero19. From The Beginning (Alternate Version)
10. The Endless Enigma (Part One) (New Stereo Mix)

Zum Anfang der 1970er Jahre (ganz im Gegensatz zum Ende der Dekade) war der Progressive Rock eine hoch respektierte musikalische Spielwiese, auf der sich auch kommerzielle Erfolge erzielen ließen. Bands wie KING CRIMSON, YES, GENESIS oder PINK FLOYD stehen wohl ebenso stellvertretend für dieses „goldene Zeitalter“ des Prog Rock wie auch EMERSON, LAKE & PALMER, die ihre größten Erfolge Anfang bis Mitte der 70er feiern konnten und auch heute noch zu Recht als eine der größten Prog-Rock-Bands der Ära angesehen werden.

Einer der Gründe für ihren phänomenalen Ruf liegt in Form eines hochwertigen, überarbeiteten Deluxe-Box-Sets nun wieder vor: “Trilogy“, das vierte Album der Band, das zuerst im Jahr 1972 veröffentlicht wurde. Als Nachfolger des immens populären Kunst-Werks “Pictures At An Exhibition“, das auf dem Klavierzyklus “Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski basierte, war die Erwartungshaltung an “Trilogy“ enorm. Und die Band zeigte sich in den Kompositionen und Aufnahmen deutlich gereift, was vielleicht auf der anderen Seite ein wenig zu Lasten der Energie der früheren Werke ging. Und dennoch findet der Prog-Afficionado hier mehr als genügend herausfordernde musikalische Momente, die man kaum in einer Sitzung alle aufnehmen kann.

Das Besondere an ELP war ja immer auch der Umstand, dass diese Band ohne Gitarristen auskam und die eher zurückhaltenden Einsätze der Sechs-Saitigen denn auch von Bassist und Sänger Greg Lake stammten. Das überließ natürlich den Keyboards von Sound-Tüftler und Tasten-Virtuose Keith Emerson das Scheinwerferlicht der Aufmerksamkeit des Hörers. Und Emerson wusste diese Freiheiten in nahezu unnachahmlicher Art und Weise zu nutzen. Selbst ein Rick Wakeman konnte bei YES nicht so schalten und walten, so wie es einem Emerson freistand.

Das tat er denn dann auf “Trilogy“ wie gewohnt weidlich, auch wenn der “Hit“ der Scheibe das von akustischer Gitarre getragene From The Beginning ist, das es in den US-amerikanischen Billboard-Charts immerhin bis auf Platz 39 schaffte und ein besonderes Schlaglicht auf Greg Lake wirft, der das Stück mit seinen Gitarren aber auch diversen interessanten Bass-Spielereien im Hintergrund maßgeblich prägt. Aber Nummern wie das “Endless Enigma“-Triple The Endless Enigma (Part One), Fugue und The Endless Enigma (Part Two) sind genauso wie Hoedown wieder geprägt von Moog, Klavier und Keyboard-Sounds wie es schon zuvor (und auch später) der Fall in der Band-Historie war. Mit Abaddon’s Bolero schielen ELP auch wieder über den Rock-typischen Tellerrand. Hier nutzen sie die „Vorgabe“ von Ravels Bolero und adaptieren sie für ihre Spezifikationen. So wird statt des üblichen ¾-Taktes ein 4/4 gewählt und das Motiv wird mit etlichen Overdubs richtig „fett angerührt“. Live erwies sich der Song daher auch für einen Keith Emerson als nahezu unspielbar und wurde daher schnell wieder aus der Setlist der Band geschmissen.

Auf der beiliegenden Bonus-CD finden sich neben der alternativen Version von From The Beginning noch neue exzellente Stereo Mixe des gesamten Albums (bis auf Hoedown), von dem die Band selber behauptet, dass es ELP auf dem Höhepunkt ihrer Inspiration und Schaffenskraft zeigt. Hinzu kommt auf der DVD noch einmal das komplette Album in einem Original- und einem 5.1-Mix (oder auch Surround Sound), der das räumliche Hören dieser so facettenreichen Musik ermöglicht. Das macht natürlich ganz besonderen Spaß, wenn man das Album schon in seinem Stereo Mix sehr genau verinnerlicht hat und im räumlichen Klang dann neue Nuancen in der Musik wahrnehmen kann.

Die “Trilogy“ Deluxe Edition ist ein echtes Fest für Freunde der progressiven Rock-Musik und insbesondere deren Anfängen. Es zeigt EMERSON, LAKE & PALMER auf dem Zenit ihres Schaffens: innovativ, ideenreich und voller Spielfreude. Danach begann der langsame Abstieg der Band, bevor sie sich dann Ende 1979 erstmals auflösen. Auch wenn die Band in den 1990ern noch zwei Alben aufnahm (“Black Moon“ und “In The Hot Seat“), so konnte sie doch nicht wieder an diese Kongenialität heranreichen, die das Frühwerk der drei Musiker auszeichnete. Und wer diese brodelnde Energie und Kreativität nachempfinden will, der ist mit dieser Box hier wahrlich sehr gut bedient.

Marc Langels, 12.05.2015

 

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