Richie Kotzen

24 Hours


CD-Review

Reviewdatum: 12.02.2012
Jahr: 2011
Stil: Rock, Funk, Soul, Blues

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Redakteur(e):

Marc Langels


Richie Kotzen
24 Hours, Eigenvertrieb, 2011
Richie KotzenGesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Keyboards
Gastmusiker
August Eve KotzenGesang & Wurlitzer Piano
Jerry Cantrell & Bret DomroseGesang
Mike BennettPercussion
Produziert von: Richie Kotzen Länge: 42 Min 13 Sek Medium: CD
01. 24 Hours06. Stop Me
02. Help Me07. Bad Situation
03. OMG (What's Your Name?)08. I Don't Know Why
04. Get It On09. Tell Me That It's Easy
05. Love Is Blind10. Twist Of Fate

Der US-Amerikaner Richie Kotzen gehört sicherlich zu den versiertesten und vielseitigsten Rock-Gitarristen der Gegenwart. Mit seinem Spiel hat er schon den Poser-Rockern POISON auf deren “Native Tongue“-Album zu einer gesteigerten Ernsthaftigkeit verholfen und ihren musikalischen Horizont erheblich erweitert. Später half er MR. BIG über den Verlust von Flitzefinger Paul Gilbert hinweg und sorgte dafür, dass die Band weiterhin erfolgreich war. Bei beiden Bands brachten er außer seinem Spielstil aber auch seine Persönlichkeit ein, so dass man bei Richie Kotzen nicht von einem Ersatz-Gitarristen sprechen kann, denn die jeweiligen Bands klangen mit ihm immer auch ein ganzes Stück weit anders als vorher oder nachher.

Seit 1998 veröffentlicht Kotzen aber auch regelmäßig (zumeist im Jahresabstand) eigene Solowerke, die seine weit reichenden Einflüsse reflektieren, denn Kotzen ist kein reiner Rocker, sonder lässt sich auch von anderen musikalischen Stilen wie etwa Soul, Blues, Funk und Jazz beeinflussen. Dies kann er am besten in seiner eigenen Musik ausleben, die er ganz überwiegend auch komplett alleine in seinem eigenen Studio in LA aufnimmt. Dabei übernimmt Kotzen neben dem Gesang und der Gitarre wie selbstverständlich auch Bass, Schlagzeug und diverse Tasteninstrumente, zumal er Klavierunterricht bekam, bevor er sich der Gitarre zuwendete.

Das neueste Ergebnis hört auf den Namen “24 Hours“ und vereint wieder alle musikalischen Vorlieben des Künstlers in sich. Los geht es mit dem funkig-rockenden Titeltrack, der sicherlich viele Gitarristen mit seinen High-Speed-Licks in den Wahnsinn treiben dürfte. Gepaart mit einem unwiderstehlichen Groove und eingängigem Gesang und kulminierend in einem Solo zum niederknien ist es der perfekte Auftakt zu den folgenden 42 Minuten, die einer musikalischen Expedition gleichkommen. Das anschließende Help Me ist im Vers ein Funk-Soul-Monster, das im Refrain zu einem Rocker wird und diese Transformation gleich mehrmals durchläuft. Auch hier gehört das gefühlvolle, perlende Solo wieder zu den Highlights. Die erste Single OMG (What’s Your Name) kommt hingegen als verkleidete Uptempo-Ballade daher und zudem fast komplett ohne verzerrte Gitarre aus. Auch die weiteren Songs mit Highlights wie der Halb-Ballade Love Is Blind, den souligen Bad Situation, Tell Me That It’s Easy und dem fast schon Radio-kompatiblen Stop Me können das erschreckend hohe Niveau spielend halten und mit weiteren Spielfertigkeiten brillieren, die aber niemals das Lied überstrahlen.

Insgesamt betrachtet hat Richie Kotzen mit “24 Hours“ vielleicht sein bislang funkigstes Solo-Werk vorgelegt, ohne aber seine anderen Einflüsse komplett in den Hintergrund zu drängen. Er ist nach wie vor Rocker, Blueser und auch vom Soul beeinflusst. Sein Gitarrenspiel fasziniert weiterhin mit eleganten Legato-Läufen und einem Sweeping, das alleine mehrere Lehrvideos wert wäre. Aber worauf Kotzen besonders Stolz sein darf ist sein starkes Songwriting, das leider vielen anderen Ausnahme-Instrumentalisten bei ihren Solo-Veröffentlichungen fehlt. Die Stücke werden nie überfrachtet und unter technischen Spielereien begraben. “24 Hours“ ist ein Album für alle Musik-Freunde, sie sowohl auf die Qualität der Lieder als auch auf die dargebotene Instrumental-Leistung gesteigerten Wert legen. Richie Kotzen fügt damit seiner beeindruckenden Diskographie ein weiteres exzellentes Kapitel hinzu und gehört für mich mittlerweile in eine Reihe mit den ganz großen Rock-Gitarristen wie etwa Steve Lukather oder Eddie Van Halen.

Marc Langels, 10.02.2012

 

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