Friends Of Dean Martinez

Berlin, Quasimodo, 13.04.2003


Konzertbericht

Reviewdatum: 13.04.2003

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Berlin, Quasimodo, 18.04.2003

Friends Of Dean Martines Das Magnet in Berlin ist ein Club in Prenzlauer Berg, der auch Live-Musik anbietet. Folglich lümmelt sich das Publikum zunächst in Sesseln und Sofas, der DJ spielt zum Konzert passende Americana-Musik, vorwiegend vom umtriebigen Label Glitterhouse, bis es dann endlich losgeht und alle in den etwas schmalen dunklen Schlauch drängen, der die Bühne und leider auch den Durchgang zur Toilette beherbergt.

Die Friends of Dean Martinez spielen auf dieser Tour in Triobesetzung mit Mastermind Bill Elm an der Steel-guitar, Mike Semple an der Gitarre und Andrew Gerfers an den Drums.
Es ist für viele, die die Friends noch nicht kennen, sicherlich ungewöhnlich, daß die Band im Sitzen spielt, dies korrespondiert jedoch mit dem coolen und dennoch spannenden Soundbildern, die sie übermitteln.

Die vor 10 Jahren in Tucson, Arizona gegründete und mittlerweile nach L.A. übergesiedelte Band spielte flirrenden Wüstenrock und psychedelischen Country, wobei die reinen Instrumentalstücke die Bilder im Kopf des Hörers selbst entstehen lassen sollen.
Dabei drängen sich unweigerlich Bilder aus Western auf oder auch David Lynchs "Wild at heart": flirrende Hitze, öde Sandwüste, in der sich allenfalls Schlangen tummeln, eine Bar mit viel Tequila, leichten Mädchen und einigen Desperados, die ihren verlorenen Hoffnungen und Träumen nachhängen.

Die Friends spielen an diesem Abend vor allem Stücke aus der "Wichita lineman"-Phase, sei es For all time, A place in the sun, Cobeza de Majado, Inner sanctum, Main theme, Overload oder Summertime.
Dabei wird häufig die fast ins Kitschige überschwappende Spaghetti-Western Stimmung, durch psychedelische Rückkopplungen, Verzerrungen und regelrechte Lärmorgien gebrochen.
Der Grundaufbau der Musik ist dabei immer von einem langsamen Flow geprägt (insofern passten die Friends ganz gut in diesen Club), der mit seiner gewollten Eintönigkeit geradezu hypnotische Kraft entfaltet. Gepaart mit der zuweilen recht heftigen Lärmentfaltung in dem doch recht kleinen Saal sorgt dies dafür, daß das Publikum der Musik wie gebannt lauscht und nach circa 100 Minuten wie ausgesaugt die Spielstätte verläßt.

Ralf Stierlen, 25.04.2003

 

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