Shadow Gallery

Manticora
Divided Multitude
Maplerun

Essen, Turock, 16.10.2010

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 20.10.2010
Stil: Progressive Metal

Links:

Manticora Homepage



Redakteur(e):

Thomas Dietz


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Essen, Turock, 16.10.2010

Die wenigen Besucher des Konzerts im Turock am heutigen Abend erwartet etwas ganz Besonderes. Die amerikanischen Prog-Metaller SHADOW GALLERY stehen exklusiv zum ersten und vorerst einzigen Mal in Deutschland live auf einer Bühne. Die Band hatte erst vor sechs Wochen ihre Live-Premiere in den USA und begibt sich jetzt auf Europatournee mit Zwischenstopp in Essen. Zu meiner Verwunderung scheint dieser Umstand aber kaum jemanden zu interessieren und so kommt es, dass das Turock an diesem Abend auch gerade mal zur Hälfte gefüllt ist. Dafür befinde ich mich mitten in einem kleinen Kreis handverlesener Prog-Fans, die fast 20 Jahre auf diesen Tag gewartet haben und dementsprechend euphorisch dem Beginn der Show entgegenfiebern. Zunächst gilt es jedoch sich durch drei Vorbands zu kämpfen, wovon ich die ersten beiden jedoch nur am Rande mitbekomme, diese aber zumindest für akzeptabel bis ok einstufe. Der Vollständigkeit halber sein sie hier aber auch namentlich erwähnt. Die erste halbe Stunde dürfen MAPLERUN aus Griechenland ihr Können unter Beweis stellen, die mit ihrem modernen Mix aus rockigen Riffs und härteren Metalklängen zumindest nicht langweilen. Darauf folgen die Norweger von DIVIDED MULTITUDE, die durch ein weitaus progressiveres Spiel wesentlich besser zum Gesamtpaket der Tour passen und das Beste aus ihrer knappbemessenen Spielzeit herausholen.

Spätestens mit Vorband Nummer drei nimmt der Abend aber richtig Fahrt auf. Jetzt stehen MANTICORA auf dem Programm und sorgen im Handumdrehen mit ihrem hochgeschwindigkeits- Power Metal für beste Unterhaltung und lautstarke Publikumsreaktionen. Die fünf Jungs aus Kopenhagen wissen wie man auf die Tube drückt und haben zudem mit Sänger Lars Larsen einen top Frontmann in ihren Reihen, der mit den richtigen Ansagen und passenden Posen, das Publikum schnell auf seine Seite zieht. Auch nach einer Spielzeit von weit über einer Stunde gibt’s keinerlei Ermüdungserscheinungen, weder bei der Band noch im Publikum. Aber jeder Auftritt geht einmal zu Ende, sei er auch noch so gut. So sollten Blind Guardian auch heute noch klingen, anstatt mit ihrem Fantasy-Computerspiel-Kram zu langweilen. Beide Daumen hoch für MANTICORA aus Dänemark!

Jetzt wird’s langsam aber richtig ernst. SHADOW GALLERY lassen nicht mehr lange auf sich warten und die Spannung in der Luft ist förmlich greifbar. Wie oft kommt es auch schon vor, dass man nach 20 Jahren zum ersten Mal eine Band live zu Gesicht bekommt, die bereits seit Anfang der 90er ein fantastisches Album nach dem anderen abliefert? Als stilvolles Intro wird die Halle noch mit der Bohemian Rhapsody vom Band beschallt, bevor wenige Minuten später die Gruppe die Bühne betritt. Zunächst einmal bin ich überwältigt von der Vielzahl an Instrumenten. Man zählt bei sechs Musikern: vier Gitarren, drei Keyboards, einen Bass, ein Schlagzeug und nicht zu vergessen eine Flöte! Das Ganze erinnert mich sehr an die HOOTERS, die ja bekanntermaßen auch während des Sets in Reih um ihre Instrumente tauschen. Jetzt dürfte auch wirklich jedem klar sein, dass er sich auf einem Prog-Metal Konzert befindet. So soll es auch sein!

SHADOW GALLERY liefern fast zwei Stunden lang einen beispiellosen Querschnitt aus ihrer 20jährigen Schaffensphase. Dabei werden alle sechs Studioveröffentlichungen abgedeckt, wobei der Fokus auf das aktuelle Album “Digital Ghosts“ (2009) gelegt wird. Jetzt muss auch direkt festgehalten werden, dass der neue Mann am Mikrofon, Brian Ashland, seine Sache hervorragend meistert. Es blieb den Fans zwar verwehrt Ur-Sänger Mike Baker live zu erleben (dieser verstarb im Oktober 2008 an einem Herzinfarkt), allerdings tendiert der Gesangsstil des neuen Sängers ohnehin stark in die Richtung seines Vorgängers, und auch die Songs der früheren Alben werden sehr gekonnt und gefühlvoll von ihm interpretiert. Diese Lücke muss man erst mal schließen! Brian Ashland übernimmt zudem noch zahlreiche Gitarrenparts und steht auch noch gelegentlich hinter seinem Keyboard. Glanzlicht und Blickfang ist natürlich auch das Gitarren-Duo Gary Wehrkamp/Brendt Allman, wobei Gary Wehrkamp ganz klar als einer der Aktivposten der Band zu bezeichnen ist. Der ständige dynamische Wechsel vom Keyboard zur Gitarre ist wirklich wunderbar anzugucken. Zu allem Überfluss übernimmt er auch noch für zwei Lieder das Schlagzeug, bevor sich der eigentliche Drummer Joe Nevolo im fließenden Übergang mit seinem Bandkollegen mal eben ein unglaubliches Drumsolo aus dem Ärmel schüttelt. Basser Carl Cadden-James ist der Spaßmacher der Truppe, animiert das Publikum immer wieder zum Mitklatschen (auch wenn dies gar nicht nötig ist) und greift ganz nebenbei hin und wieder zur Querflöte um die passenden Akzente zu setzen. Hier steht wirklich ein wahnsinniger Haufen Multiinstrumentalisten auf der Bühne!

Die versammelten Fans kriegen das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht, aber ehe man sich versieht, geht auch dieser fantastische Auftritt dem Ende zu. Die Band verabschiedet sich nach 110 beeindruckenden Minuten vom Essener Publikum, das heute endlich die Gelegenheit hatte, diesem einmaligen Auftritt beizuwohnen. Die T-Shirts sind am heutigen Tourtag leider schon restlos ausverkauft. Mit solcherlei euphorischen Reaktionen hat die Band anscheinend selber nicht gerechnet. Für mich bleibt zu hoffen, dass dies nicht mein einziges Konzert von SHADOW GALLERY bleibt und ich vielleicht mal wieder die Gelegenheit habe diese großartige Band irgendwann noch einmal wieder sehen zu können. Das war wirklich eine Lehrstunde in Sachen Progressive Metal! Danke an die Band für diesen unvergesslichen Abend! Und hoffentlich bis bald…

Thomas Dietz, 16.10.2010

 

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