Francis Rossi

Ich rede zu viel – Die Autobiografie

( English translation by Google Translation by Google )

Buch-Review

Reviewdatum: 06.05.2019
Stil: Rock
Autor: Francis Rossi, Mick Wall
Seitenzahl: 296
ISBN: 978-3-85445-666-7
Preis: 25.00 EUR

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Verlag: Hannibal


Redakteur(e):

Epi Schmidt


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Status Quo


Nahezu gleichzeitig zu seinem neuen Soloalbum bringt QUO-Frontmann Francis Dominic Nicholas Michael Rossi, so der volle Taufname (und Erklärung, warum der Sänger/Gitarrist seiner Karriere unter Michael Rossi auftrat) , seine Autobiografie heraus. Geschrieben unter Mithilfe des allgegenwärtigen Mick Wall.

Es gab ja zwischenzeitlich schon einmal die gemeinschaftlich mit Langzeit-Musikpartner Rick Parfitt verfasste STATUS QUO Autobiografie (natürlich auch zusammen mit Mick Wall…), aber nun darf Francis ganz allein über sein Leben und seine Karriere resümieren. Was ihm selten einfach fällt, denn, wie er selbst zugibt, ist er zeitlebens selten mit einer Entscheidung glücklich und zweifelt meist kurz darauf schon wieder daran. Sicher einer der Gründe, für die diversen “ Neuanfänge“ bei QUO.

Francis mag (zu) viel reden, aber das tut er im Allgemeinen sehr unterhaltsam und auch recht offen. Was einem vorenthalten wird, das weiß man ja nicht, aber gerade über seine Drogen- und Alkoholsucht ist er ja recht mitteilsam. Was sich in gewisser Weise relativiert, da es bei ihm praktisch nie zu Skandalen geführt hat und er außerdem diese Sucht ganz alleine komplett überwunden hat.

Sein Lebenslauf liest sich, vor allem zu Beginn, ähnlich dem von Kollegen, die in den frühen 1960er Jahren mit der Musik angefangen haben. Über diverse Versuche, auch was den Kleidungs- und Haarstil angeht, wurde kurz vor dem Exodus das richtige und Erfolg bringende Rezept gefunden. Und natürlich die richtigen Leute.

Wenngleich Rossi offensichtlich nie ganz glücklich mit der Besetzung wurde, die verantwortlich für den großen Erfolge der Band war. Über Drummer John Coghlan verliert er kaum Worte, über Bassist Alan Lancaster selten ein gutes und nur Rick Parfitt wird ausreichend gewürdigt.

Trotzdem kommt kein QUO-Fan an diesem Buch vorbei. Vieles ist den Hardcore-Amhängern sicher bekannt, aber allein die Art von Rossi macht das Lesen sehr vergnüglich. Zumal er sich selbst auch dann und wann nicht schon und durchaus kritisch hinterfragt. Und scheut sich auch nicht, aus Nähkästchen zu plaudern, wie beim ersten Sex mit seiner künftigen ersten Ehefrau Jean, oder was später in Sachen Groupies lief. Oder auch mal nicht lief. Stichwort “Politur“.

Seine diversen Ehen werden ebenso thematisiert, wie diverse Songs aus dem Repertoire seiner Stammband. Bei Letzterem erfährt man auch etwas über die Einflüsse und Inspirationen Rossis. Wie sich aus dem italienischen Kinderlied Poppa Piccolino und Hey Joe allerdings Pictures Of Matchstick Men herausschälen konnte, muss er mir vielleicht noch einmal selber erklären.

Naturgemäß geht es in den 70er Jahren etwas interessanter (und auch wilder) zu, aber QUO waren ja auch in den Jahren nach dem ersten Split, zu Beginn der 80er, sehr umtriebig. Das hat viel mit Rossi zu tun, auch viel mit den Managern und da wiederum mit David Walker, dem viel von dem Sinn und Unsinn ab Ende der 80er einfiel. Aber lest selbst.

Auch Rossi sieht Vieles und nicht zuletzt diverse QUO-Alben, wie “Perfect Remedy“ oder “Thirsty Work“  (zurecht!) durchaus kritisch. Aber zu seinen Lieblingstiteln gehören trotzdem die Songs Burning Bridges und Rock‘n‘Roll und ähnliche Titel. Vielleicht der italienischen Abstammung geschuldet.

Was mir, nachdem ich überwiegend meinen Frieden mit dem Buchautor geschlossen hatte, dann doch etwas aufstößt, ist, dass er gegen Ende die von vielen Fans hochgeschätzte FRANTIC FOUR-Reunion doch sehr madig macht. Ich konnte mich bei einem Konzert selbst überzeugen und wie Francis Rossi hier vor allem Lancaster und Coghlan nahezu als Amateure dastehen lässt, das entspricht nicht der Realität. Aber er ist ja auch der Überzeugung, dass seine aktuelle Bandbesetzung die beste aller Zeiten ist und siedelt selbst Richie Malone höher als Rick Parfitt an.

Er rechtfertigt sich da auch sehr vehement, was die Kritik an seiner Person seitens der Fans angeht.

Das hinterlässt dann am Schluss schon einen leichten schalen Geschmack im Mund des Lesers.

Wie gesagt, man kommt um das Buch als QUO-Sympathisant nicht herum, gerade weil Rossi so ehrlich ist. Da will man das ein oder andere vielleicht auch gar nicht hören, besonders wenn es um den seligen Parfitt geht,

Verständnis, warum er dessen Tod nicht “gebührend“ betrauert hat, kann er leidlich ernten, weil er glaubwürdig darlegt, dass das sein Naturell ist und er auch anderen gegenüber so wäre.

Ganz sicher wird man durch dieses Buch diverse Lieder der Band wieder und womöglich mit anderen Ohren hören und ebenso wird man einschlägige Internetplattformen nutzen, um sich einige Videoclips, sei es einer der vielen, vielen Auftritte bei “Top Of The Pops“, bei einer wahnwitzigen Aktionen der Band (“Rock ‚‘Til You Drop“) oder der Gastauftritte bei Shows und Serien, wieder oder erstmals anzusehen. Muss ja nicht unbedingt der “Bula Quo“-Film sein.

Die ein oder andere Rechtfertigung Rossis wäre sicher nicht nötig gewesen, da er fügt sich mehr Kratzer zu, als nötig gewesen wären. Auch den Tod von Rick Parfitt hätte ich nicht zwingend so hautnah gebraucht.

 Aber so ist er nun einmal. Der Rossi. Er redet (manchmal) zu viel.

 

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