Beth Hart & Joe Bonamassa
Don't Explain, Provogue Records, 2011
Beth HartVocals
Joe BonamassaGuitar, Vocals
Blondie ChaplinGitarre
Carmin RojasBass
Arlan ScheirbaumKeyboards
Anton FigDrums
Produziert von: Kevin Shirley Länge: 50 Min 52 Sek Medium: CD
01. Sinner's Prayer06. I'd Rather Go Blind
02. Chocolate Jesus07. Something's Got A Hold Of Me
03. Your Heart Is Black As Night08. I'll Take Care Of You
04. For My Friends09. Well, Well
05. Don't Explain10. Ain't No Way

Ja, wie erklärt man das jetzt? Ist das ein Beth Hart-Album? Oder ein Bonamassa-Album? Ist es ein Soul- oder ein Blues-Album? Oder doch was anderes? "Don't Explain", sagen die Beiden. Einfach zuhören, dann wird man schon sehen, bzw. hören.
Der überpräsente Bonamassa hat sich mit der Kalifornierin Beth Hart zusammengetan, um alte Soul-Klassiker neu einzuspielen und diese ein wenig aufzupolieren. Dabei bringen sie auch einige weniger bekannte und wenig gespielte Schätze ans Tageslicht. Beth Hart kennen wir ja als Rockröhre und Janis Joplin-Darstellerin im entsprechenden Musical. Mir scheint es, als müsste sie sich Ray Charles Sinner's Prayer erst etwas "hineinarbeiten", bevor sie in der Nummer so richtig angekommen ist. Bonamassa ist da slidemäßig gleich angekommen, geht der - für eine Eröffnungsnummer etwas schleppende - Song doch mehr in die Blues-Richtung. Reichlich Auslauf für sein Gitarrenspiel bekommt er natürlich.
Chocolate Jesus hat auch hier den typischen New Orleans Waltz Groove seines Verfassers Tom Waits. Harts immer leicht ordinäre Stimme passt zu dieser Nummer ausgesprochen gut. Ich hätte mir dann mal so einen leichten "Aufschwung" gewünscht, aber ich bin ja auch nicht der absolute Soul-Liebhaber. Für sich genommen, ist Your Heart Is As Black As Night schon ein toller blues-jazzig-stimmungsvoller Song, der - auch typisch bei Beth Hart - unterschwellig vor sich hin brodelt. Ich finde die Gitarre etwas überrepräsentiert, aber, gut, schließlich ist dies eine Kooperation mit einem Gitarristen.

Auch wenn es soulig-funkig bleibt, wird bei For My Friend doch etwas heftiger hingelangt und auch Harts Gesang legt da an Schärfe zu. Das hätte auch manchen Rock-Acts der 70er nicht schlecht zu Gesicht gestanden.
Der Titelsong stammt von Billie Holiday und da wird’s naturgemäß wieder ruhiger, melancholischer, klingt irgendwie nach Filmmusik und ist entsprechend mit Streichern dezent verziert. Man kann sich förmlich eine Filmszene - nach Wahl - vorstellen.
Ein unschlagbarer Klassiker ist natürlich I'd Rather Go Blind und Beth glänzt hier mit einem sehr emotionalen Vortrag. Da kommt die Janis Joplin Vergangenheit deutlich zum Vorschein. Die Band agiert dezent im Hintergrund und überlässt ihr das Feld. Diese Band setzt sich ausnahmslos aus fundierten Könnern zusammen. Darunter Carmin Rojas am Bass und der STONES-Sideman Blondie Chaplin an der zweiten Gitarre. Und auch der Rest war an Joes Nr. 1 Album "The Ballad Of John Henry" beteiligt. Schönes Solo von dem Gitarristen hier übrigens.

Bei Something's Got a Hold On Me bin ich absolut voreingenommen, denn die Power und der Schwung, mit dem Candye Kane diesen Song für gewöhnlich vorträgt, kann einfach nicht mehr erreicht werden. Wenn es auch hier ordentlich swingt und groovt und ein Elan zum Vorschein kommt, denn ich mir ein oder zweimal öfter auf diesem Album gewünscht hätte.
Stattdessen wird es mit I'll Take Care Of You wieder sehr melancholisch und, ja, wie auch anders: sehr Soul-betont. Erneut ist das für sich genommen eine tolle Leistung aller Beteiligten, auch wenn ich mir die Streicher gern wieder ersparen würde.
Well, Well kennen wir im Original von Delaney & Bonnie (& Friends auf dem Album "D & B Together") und einen direkten Vergleich sollte man jetzt nicht anstellen, aber ansonsten kommt das hier schon gut. Pulsiert und groovt und der Duettgesang von Beth und Joe harmoniert und reibt gut aneinander. Ein bisschen muss ich wohl doch meine Meinung über den Gesang des Gitarristen revidieren. Vom Gesang der Sängerin angestachelt, haut er auch gleich ein heißes Gitarrensolo hinterher. Gefällt mir recht gut.
Bei einem Soul-Coveralbum darf die Königin nicht fehlen und so beschließt Aretha Franklins Ain't No Way dieses Album. Auch hier muss ich Beth Hart eine ganz hervorragende, gefühlvolle Gesangsleistung attestieren und auch Bonamassas Beitrag geht voll in Ordnung. Meine Abneigung gegen dieses Streicher-Brimborium macht mir einen kleinen Strich durch die Rechnung. Es bleibt ein zwiespältiges Gefühl bei mir zurück. Sound und Darbietung sind durchwegs von hoher Qualität, mir sind lediglich die Songs auf die Dauer zu lahm. Aber wer ein größeres Herz für Soul mit Jazzeinlagen hat und sich gern mal ein paar ruhigere Nummern anhört, der könnte mit "Don't Explain" durchaus seine Freude haben.

Epi Schmidt, 08.10.2011

 

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