Joe Bonamassa

Saarbrücken, E-Werk, 06.03.2012

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Konzertbericht

Reviewdatum: 09.03.2012
Stil: Blues, Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Joe Bonamassa,
Saarbrücken, E-Werk, 06.03.2012

Die Landeshauptstadt des Saarlandes hat sich in internationalen Blues-Kreisen durchaus einen Namen erworben, alleine schon durch die Veranstaltungsreihe „Sonntags ans Schloss“, die seit mittlerweile 24 Jahren den Sommer Sonntags-Morgens livehaftig verbluest. Dabei haben hier schon solche Könner wie 9 BELOW ZERO, Paul Camilleri, THE MEN IN BLUES (mit Ex-BAP-Gitarrist Klaus “Major“ Heuser) oder auch Rob Tognoni die Zuschauer verzückt. Aber einen internationalen so angesagten Blues-Mega-Star wie Joe Bonamassa hat es schon längere Zeit nicht mehr hierher verschlagen.

Für seinen Besuch hat sich Herr Bonamassa das alt-ehrwürdige E-Werk ausgesucht, eine stilvoll sanierte Industriehalle aus dem Jahr 1908. Dort wo einst Turbinen und Generatoren eines Eisen- und Stahlwerks standen, stehen an diesem Abend rund 2000 Stühle. Und da muss man sich vorab schon fragen, ob es eine weise Entscheidung war, das E-Werk zu bestuhlen, denn schließlich bietet Joe Bonamassa ja Blues mit einer deutlichen Rock-Schlagseite. Und die verleitet für gewöhnlich zu einem gewissen Bewegungsdrang, der über das in den Schlagersendungen zelebrierte biedere Schunkeln auf den Sitzen weit hinausreicht. Aber sei es drum, Sitzen hat ja auch was für sich und wenn es nur der Fakt ist, dass man sich nicht zweieinhalb Stunden die Beine in den Bauch steht.

Schon fast traditionell eingeläutet wird die Show von IRON MAIDENs 2 Minutes To Midnight, bevor Bonamassa und Band dann dieses Mal mit dem Slow Train in das Konzert einsteigen. Dabei gefiel mir gerade beim letzten mal in Frankfurt so gut, dass Bonamassa das Konzert mit dem Cradle Rock von seinem Debüt-Album sehr rockig begonnen hatte. Aber egal, der Sound ist an diesem Abend nahezu perfekt, denn im Gegensatz zum Konzert in Frankfurt kann man schon ab dem ersten Song das Keyboard von Rick Melick hören. Carmine Rojas groovt mit seinem Bass gewohnt souverän und beschwingt während Drummer Tal Bergman mal wieder für den nötigen Wumms zuständig ist.

Über all dem thront natürlich der Star des Abends: Joe Bonamassa. Im grauen Anzug mit seiner traditionellen Les Paul bewaffnet brilliert er schon ab den ersten Takten und versetzt das Publikum in eine nervöse Vorfreude auf die kommenden gut zwei Stunden und 20 Minuten „Blues De Luxe“. Dabei zeigt sich Bonamassa auch zu Beginn wieder etwas Maul-faul aber dafür um so Spiel-freudiger. Und deswegen sind die knapp 2000 Menschen ja auch an diesem Abend ins E-Werk gekommen.

So geht es fast nahtlos über zu Last Kiss bevor mit dem Midnight Blues das erste der fünf Cover-Stücke an die Reihe kommt. Und gerade dabei beweist Bonamassa einmal mehr, was für ein begnadeter Musiker er ist. Er verleiht dem Song, der im Original von Gary Moore stammt, noch mehr Seele als es die Ur-Version ohnehin schon hatte. Zudem bringt er gerade in die Solo-Passagen so massiv Feeling rein, dass es folgerichtig den ersten richtigen Szenen-Applaus des Abends von dem wieder einmal bunt gemischten Publikum gibt. Weiter geht es mit drei neueren Stücken: Dust Bowl, You Better Watch Yourself und Sloe Gin, wobei gerade letzteres hoffentlich in einer ähnlich wunderbaren Version auf seiner kommenden Live-DVD zu sehen sein wird. Denn wieder einmal scheint es so, als ob Bonamassas Soli gerade live eine besondere Magie innewohnt, die er im Studio so noch nicht einfangen konnte. Einfach wunderbar.

Dann findet auch Bonamassa seine Worte. Er bedankt sich beim Publikum und schwadroniert ein wenig darüber, wie er den Tag in Saarbrücken mit Bier-trinken (und dann noch Bitburger statt dem lokalen Karlsberg Ur-Pils) verbracht hat. Dabei erzählt er von einem Besuch vor fünf oder sechs Jahren und seinen guten Erinnerungen daran. Dies sorgt bei einigen Besuchern für ungläubige Gesichter, wohl aus Bedauern, dass man das Ereignis damals verpasst hat. Der Fakten-Check ergibt dann, dass Bonamassa im Jahr 2005 (präzise am 26. Juni) bereits in der saarländischen Landeshauptstadt im Kühlhaus gespielt hat. Sicherlich ein Ereignis, bei dem man schon gerne dabei gewesen wäre.

Anschließend „verbrät“ Bonamassa wieder einmal seinen einzigen „Beinahe-Hit“ mitten im Set. The Ballad Of John Henry ist schon jetzt ein moderner Blues-Klassiker, an dem sich in der Zukunft sicherlich zahlreiche talentierte Musiker abarbeiten werden. Dabei ist es wieder wie so oft an diesem Abend, dass das Publikum fast in andächtige Stille verfällt (sodass denn bei dieser Musik wirklich möglich ist). Aber ob des wieder einmal Gebotenen ist das natürlich nur zu verständlich. Nach dem Lonesome Road Blues folgt mit dem Song For Yesterday ein kleiner Querverweis auf seine Zweitband BLACK COUNTRY COMMUNION. Dieser fällt hier aber etwas zahmer als im Original aus, alleine schon weil sich Rojas und Bergman mehr zurückhalten, als dies Glenn Hughes und Jason Bonham bei BCC tun.

Der zweite Teil des Konzerts wird dann etwas Cover-lastiger, als da wären Jeff Becks Blues Deluxe mit tollem Finger-picking-Solo, der Young Man Blues von THE WHO sowie die beiden Zugaben Bird On A Wire im Original von Leonard Cohen und das fast schon traditionelle ZZ TOP-Rausschmeißer-Stück, in diesem Fall Just Got Paid (in Frankfurt waren es noch die Cheap Sunglasses). Aber dazwischen beschert Bonamassa mit seinem Akustik-Gitarren-Stück Woke Up Dreaming (mit deutlichen stilistischen Anleihen bei Tuck Andress) auch immer wieder Beweise eigener Brillanz, denn er könnte zweifelsohne einen ganzen Abend nur seine eigenen Stücke spielen. Schließlich lässt er seine Frühwerke bei der Setlist fast komplett Außen vor. Das mag dann auch der einzige nennenswerte Kritikpunkt sein, den man anführen könnte.

Denn Joe Bonamassa und seine Band waren an diesem Abend wieder exzellent, sein Gitarren-Stil geradezu makellos-perfekt. Vielleicht spielt er phasenweise schon fast zu sauber für den Blues und trotzdem transportieren seine Soli ganz große Gefühle. Passend ergänzt wird das durch seine leicht raue Stimme, die der Musik die nötige Gebrochenheit verliert, um nicht als Hochglanz-Blues à la Eric Clapton durchzugehen. Dafür haben seine Stücke auch einfach noch zu viele kleine Ecken und Kanten. Dadurch haben sie noch die richtige Credibility für die Blues-Puristen, sind auf der anderen Seite aber auch eingängig genug, um schon wieder ein Pop-Publikum anzusprechen. Ein Drahtseil-Akt, den momentan niemand so gut meistert wie der Meister persönlich. Joe Bonamassa gehört in dieser Form definitiv zu den Künstlern, die man live einmal erlebt haben muss, aber nach dieser beeindruckenden Performance gilt hier eigentlich auch der Ratschlag: je öfter, desto besser.

Ich möchte an dieser Stelle auch im Namen meiner Begleitung noch Alexandra Dörrie von Another Dimension für die freundliche Akkreditierung danken.

Marc Langels, 06.03.2012

 

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